22.05.2026
Kammerkonzert mit 50 Akteuren im Alten Rathaus
Miltenberger Musikschüler überzeugen durch Talent und Leidenschaft
Gut zwei Stunden begeisterten rund 50 Kinder und Jugendliche der Musikschule Miltenberg am Donnerstag die Zuhörer im vollbesetzten Bürgersaal des Alten Rathauses. Die vier- bis 18-jährigen Akteure präsentierten fast 30 Titel in einer Facettenbreite, wie sie selten zu erleben ist.
Der Ablauf war ideal gewählt. Es begann mit einfachen, aber sehr lebendigen Vorträgen der Kinder im Vor- und Grundschulalter aus der Triolaklasse und der Melodicaklasse, bevor Solovorträge junger MusikerInnen nicht nur ihre Eltern und Großeltern verzückten: Mal ein Tanz Mozarts auf dem Violoncello, mal ein mitreißend performter Blues von James Rae auf der Klarinette, mal ein atmosphärisch dichtes „Märchen“ Kabelewskis am Klavier mit wunderschönem Anschlag.
Es gab lauten Jubel nach dem Allegro aus Nölcks „Ungarischem Tanz“ auf der Violine und man spürte, wie beeindruckt die Zuhörer vom virtuosen Spiel der Querflöte bei einem Vivaldi-Satz waren. Immer wieder eine Garantie für brillante und sichere Vorträge: Die sensible Begleitung durch Sylvia Ackermann am Flügel.
Nach der Pause eröffnete die elfköpfige Streicherklasse den zweiten Teil, der bewies, wie erfolgreich die Arbeit der ausnahmslos engagierten Lehrer ist. Beteiligt waren Sylvia Ackermann, Annette Bächler, Kyoko Kanazawa, Ursula Lauer, Martin Lauer und Waldemar Stockert. Die zehn Auftritte im zweiten Teil boten ausnahmslos exzellente, selbstsichere und auch technisch beeindruckende Vorträge auf hohem Konzertniveau.
Das galt für das Klavierimpromptu im authentischen Schubert-Sound, für die warme, elegante Saxofoninterpretation einer Lully-Komposition des 17. Jahrhunderts, für einen temperamentvollen Geigen-Czardas und einen orientalischen Tanz auf der Klarinette, bei dem man im Geist die Schlange aus ihrem Korb emporzüngeln sah.
Glanzlichter des rundum beeindruckenden Konzerts waren die letzten vier Vorträge: eine brillante Konzertetüde auf der Trompete, Chopins „Revolutionsetüde“, bei der man glauben konnte, der Komponist säße selbst am Flügel, ein atmosphärisch dichtes Nocturno mit dem Waldhorn und zum Schluss eine intensive, perfekt inszenierte Stimmungsreise auf dem Klavier, die sicher auch der Komponistin Fanny Hensel ein beifälliges Nicken entlockt hätte.
Alle, die beim Konzert waren, können sich freuen, und wer nicht dabei war, sollte sich den Tag der offenen Tür am 13. Juni von 10 bis 16 Uhr vormerken. Es gilt das Motto Nietzsches „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ oder – positiver – Louis Armstrongs „Musik ist das Leben selbst!“
Heinz Linduschka
Quelle: Miltenberger Musikschüler überzeugen durch Talent und Leidenschaft